Im September 2010 wurden in der Ausstellung Schutzräume Arbeiten der israelischen Fotografin Dana Ariel und der deutschen Fotografin Cathleen Falckenhayn in der Galerie 61 in Bielefeld präsentiert.
Dana Ariel fotografiert in der Serie Border Grenzsteine der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze. Oftmals stehen die Steine nicht im Mittelpunkt des Bildes, sondern werden erst auf den zweiten Blick wahrgenommen. Der Wanderweg zwischen den Grenzsteinen, eingebettet in einen teils nebeligen Wald, wird zu einem Zwischenraum. Cathleen Falckenhayn setzt sich in ihrer neuen Fotoserie mit Schutzräumen in Israel auseinander. Dies sind abschließbare Sicherheitsbereiche innerhalb von Gebäuden, die primär zum Schutze der Zivilbevölkerung dienen. Viele Israelis nutzen diese Schutzräume als zusätzlichen „normalen“ Wohnraum.
Die Gegenüberstellung der beiden fotografischen Positionen wirft Fragen zum Charakter und Wandel von Räumen auf. Die deutsch-deutsche Grenze war vor allem eine geografische Manifestation von Trennung und Konfrontation. Zugleich entwickelte sich im militärischen Sperrgebiet ein Lebensraum für Tiere und Pflanzen, in dem sie vor Eingriffen des Menschen geschützt waren. Auch die Schutzräume in Israel unterliegen einem Wandlungsprozess: konzipiert als Räume des
Zivilschutzes im Krieg funktionieren sie heute oft als Orte der Entspannung zum Beispiel als Fitnessraum oder Musikzimmer. Im Mittelpunkt der Ausstellung standen folglich ambivalente Orte, die sich einer eindeutigen Zuordnung entziehen.
Weiterhin regte die Ausstellung zu einer Auseinandersetzung mit deutscher und israelischer Geschichte jenseits von schwarz-weiß Denken an. Sie zeigte, dass Realitäten oft vielschichtiger sind als im ersten Moment angenommen. Die Abbildung eines Wanderweges ist mehr als nur ländliche Idylle und hinter einem Freizeitraum verbirgt sich eine Historie von Konflikt und Auseinandersetzung. Im Fall der deutsch-deutschen Grenze ist der Raum durch eine ereignisreiche Geschichte gekennzeichnet, im Fall der Schutzräume in Israel durch eine komplexe Gegenwart. Die Fotografien zeigen jeweils menschenleere Räume, doch gleichzeitig sind Spuren des Menschen überall sichtbar. Dem Besucher wurde es dadurch ermöglicht, eigene Gedanken und Geschichten in die Räume zu projizieren, sich vorzustellen, welche Menschen dort spazieren gehen oder ob sie sich in einem Schutzraum wirklich geschützt fühlt.
In Zusammenarbeit mit:
Galerie 61
Deutsch-Israelische Gesellschaft, Arbeitsgruppe Bielefeld
Bericht zur Ausstellung




