Die deutsche Künstlerin Johanna Reich und der israelische Künstler Tzachi Buchbut haben ein gemeinsames Projekt auf der Fresh Paint 3 in Tel Aviv im Mai 2010 realisiert.
Mit dem Betreten der Videoinstallation Tachsisim/Doppelspiel der Künstler Johanna Reich und Tzachi Buchbut begibt sich der Betrachter in eine dynamische Parallelwelt: eine große Wandmalerei erscheint und verschwindet im Licht weißer Farbwolken – unstet züngelnde Flammen auf einer Holzfläche – aus dunklem Papier stechen vereinzelte Lichtpunkte hervor. In dieses Bilduniversum ragt ein dunkles Objekt: ein Tisch, Symbol für ein Zuhause, einen Ort des Zusammenseins, einladend und vertraut. So werden träumerische Assoziationen verblasster Erinnerungen beschwört. Doch die Position des Tisches und die ihn stetig verzehrenden Flammen zerstören alle Versuche Ruhe zu finden. Immer wieder erschüttern Reich und Buchbut entstehende Illusionen indem sie an die Künstlichkeit der Situation erinnern. Sie erkunden die Ambivalenz von Momenten, in denen Vertrautes mit Gefühlen der absoluten Fremdheit untrennbar verbunden ist.
Indem die Künstler den Bereich zwischen dem Zwei- und Dreidimensionalen erkunden und die Grenzen zwischen Zeichnung, Skulptur, Video und Malerei ausloten, führen sie nicht nur die Wahrnehmung des Betrachters in die Irre, sondern
erweitern auch die Grenzen ihrer eigenen künstlerischen Arbeit.
Jeder Teil der Installation hat seinen eigenen Rhythmus: das sich ständig verändernde Spiel der Flammen, die pulsierenden Durchbrüche des Lichts durch das dunkle Papier, die fließenden, weißen Farbnebel. Der Wechsel von Momenten der Ordnung und Harmonie zu Chaos und Kontrollverlust verdeutlicht das Zusammenspiel von Schaffenskraft und Zerstörung. Hier driften die spielerischen Elemente der Installation fast ins Bösartige, wie kleine Lügen zur Aufrechterhaltung einer Illusion, dort lädt ihre Unschuld ein, die herrschenden Regeln und Konventionen zu vergessen und sich spielerisch im Prozess zu verlieren.
Buchbut und Reich untersuchen die Dualität von Anwesenheit und Abwesenheit anhand von Prozessen des Verschwindens und Verbergens. Zwar basiert die Installation auf menschlicher Anwesenheit, doch diese ist nur noch bruchstückhaft erkennbar. Der poetische Fluss des Raumes fordert den Betrachter kontinuierlich, sich neu zu orientieren, und wirft so Fragen zu Isolation und Einsamkeit auf. Alles ist im Werden und in Bewegung, doch mit der Zeit entwickelt sich ein Element des Zögerns und der Verwirrung, denn alle Dynamik ergibt sich aus immer gleichen, unbeirrbar wiederkehrenden Prozessen - verändert sich also überhaupt etwas?

Abbildung: © Johanna Reich/ VG Bild-Kunst Bonn 2010

Abbildung: © Johanna Reich/ VG Bild-Kunst Bonn 2010

Abbildung: © Johanna Reich/ VG Bild-Kunst Bonn 2010

Abbildung: © Johanna Reich/ VG Bild-Kunst Bonn 2010

Abbildung: © Johanna Reich/ VG Bild-Kunst Bonn 2010