Roey Heifetz wurde in Jerusalem geboren und lebt und arbeitet in Tel Aviv, Israel. Er studierte an der School of the Museum of Fine Art in Boston, USA, und erlangte den BFA und MFA an der Bezalel Academy for Art and Design in Jerusalem von 2004 bis 2009. Für beide Abschlüsse wurde er von der Bezalel ausgezeichnet. 2010 gewann er den Artist-Teacher Award des israelischen Ministeriums für Kultur. Neben zahlreichen Gruppenausstellungen in New York, Berlin, Taiwan und Israel wurden Heifetzs Arbeiten zuletzt in der Einzelausstellung „Sehnsucht“ im Beit Hair Museum in Tel Aviv gezeigt.
Heifetzs großformatige Zeichnungen zeigen Charaktere wie den Bibliothekar oder den Lehrer. Sie sind filigran und verspielt im Detail doch wirken gleichzeitig als Ganzes betrachtet oft grob und gebrochen. Dieser Gegensatz deutet auf formaler Ebene auf eine Nähe des Künstlers zum Prozess des Zeichnens, im Hinblick auf das Resultat, die Zeichnung als Bild, aber auf eine gewisse Distanz hin. So entsteht ein Gleichgewicht zwischen Anmut und Irritation, Naivität und Reflexion und Intimität und und Distanz. Die wenigen Informationen, die wir
aus dem Titel und der Zeichnung über die Charaktere erhalten, geben nie die Persönlichkeit oder die Geschichte der Dargestellten preis. Es ist dieses Fehlen einer konkreten Geschichte, gepaart mit der immer wieder gebrochenen Darstellung der Protagonisten, das auf die möglichen Hintergründe verweist und den Betrachter fesselt. Die Zeichnungen lenken unsere Aufmerksamkeit und Vorstellungskraft auf den leeren Raum, das weiße Papier, den Raum zwischen den Zeichnungen und die Architektur, die sie umgibt. Ihr Ziel ist es nicht, eine fertige Geschichte oder ein vollständiges Bild einer Person zu präsentieren, sondern in den Freiraum zu führen, in dem sich eine Geschichte entwickeln kann. Das entscheidende passiert zwischen den Bildern, wo sich die verschiedenen Gedanken des Betrachters, die zwischen den Bildern hin und her pendeln, treffen und frei entwickeln. Der Betrachter wird in das Zusammenspiel der Charaktere, die Heifetz darstellt, eingebunden, ohne in eine bestimmte Richtung gedrängt zu werden. So wird die Beziehung zwischen Zeichnung, Künstler und Betrachter eine gleichberechtigte, gegenseitige, die dadurch noch persönlicher und anspruchsvoller wird.







